| Die Körpersprache gibt den Ton an Von Monika Matschnig
Hätten Sie gedacht, dass wir zu 93 % über unsere nonverbalen Signale kommunizieren? Die Körpersprache und Stimme unseres Gegenübers verraten uns mehr als tausend Worte. Mit Worten können wir vielleicht jemanden täuschen oder belügen, aber wen überzeugt schon ein aufgesetztes Lachen? Ob wir wollen oder nicht – unser Körper verrät unsere wahren Gefühle und Gedanken. Körperhaltung, Gestik und Mimik richtig zu verstehen kann also von großem Vorteil sein. Einerseits für den Einsatz unserer eigenen Körpersprache, denn ein bestimmtes Körpersignal im richtigen Moment bewirkt manchmal Wunder. Andererseits natürlich, um die Körpersignale anderer interpretieren zu können.
Gerade der berufliche Alltag erfordert ein hohes Maß an Kommunikationsbereitschaft. Neben den berufsspezifischen Anforderungen und Qualifikationen wird automatisch ein geschultes Auftreten vor den unterschiedlichsten Zielgruppen erwartet. Die sogenannten Soft Skills, zu denen auch Auftreten und Körpersprache zählen, spielen eine entscheidende Rolle, um in einem konkurrenzstarken Markt die Nase vorn zu haben. Selbstbewusst, zielstrebig und energisch – so möchte jeder im Berufsalltag wirken, selbst wenn er sich unsicher, schüchtern oder überfordert fühlt. Mit der richtigen Körpersprache ist das kein Problem. Wer darüber hinaus noch über ein gewisses Maß an Empathie verfügt und die Signale von Geschäftspartnern, Kollegen oder Vorgesetzten richtig einzuschätzen weiß, hat in Verhandlungen, Präsentationen oder Mitarbeitergesprächen einen eindeutigen Vorteil.
Der erste Eindruck zählt! Diesen Satz hören wir immer wieder und merken ebenso oft, dass diese Feststellung nicht aus der Luft gegriffen ist. Nach nur wenigen Sekunden bildet man sich ein Urteil über einen Menschen, der einem bis dato fremd war. Wie kann ich Sympathiepunkte gewinnen? Vieles an unserem Auftreten gibt uns unser Naturell vor. Schauspielereien würden deshalb nur gekünstelt wirken und unser Gegenüber nicht überzeugen. Was aber wirkt immer?
Lächeln Sie, aber bitte richtig! Ein Garant für eine absolut sympathische Ausstrahlung und damit einen positiven ersten Eindruck ist die einfachste mimische Geste schlechthin – ein Lächeln! Aber echt muss es sein! Ziehen Sie also nicht einfach nur die Mundwinkel nach oben – Lächeln Sie mit dem ganzen Gesicht. Hochgezogene Wangen, kleine Fältchen um die Augen und gesenkte Augenbrauen, die das Lächeln begleiten, sind ein sicheres Zeichen dafür, dass Fröhlichkeit nicht nur vorgetäuscht wird. Mit einem kleinen Lächeln bewirken Sie außerdem automatisch einen freundlichen und offenen Blick, mit dem Sie Ihrem Gegenüber in jeder Situation Interesse an seiner Person signalisieren und einen vertrauenswürdigen und selbstsicheren Eindruck erzeugen.
Zeigen Sie Haltung! Gerade im Berufsleben ist ein souveränes Auftreten das A und O für persönlichen Erfolg. Unsere Körperhaltung und die Art, wie wir stehen, sitzen oder gehen ist so etwas wie unsere ureigenste Visitenkarte. Ein souveräner Stand, bei dem wir aufrecht und in Beckenbreite fest auf dem Boden stehen, die Brust heben und geradeaus blicken – den Körper also auf Spannung bringen – strahlt automatisch Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen aus. Sie vermitteln auf diese Weise eine gute „Bodenhaftung“ und signalisieren die Bereitschaft auf Andere zuzugehen. Verwechseln Sie diese Haltung aber nicht mit der „Rücken gerade - Brust raus - Bauch rein-Parole“, die eher Diszipliniertheit, Strenge und Verbissenheit demonstriert und mangelnde Flexibilität signalisiert. Ebenso wenig souverän wirken Personen, die nie still stehen können, im wahrsten Sinne des Wortes „stocksteif“ sind oder sich „hängen lassen“. Von ihnen erwarten wir eher Unentschlossenheit, Unflexibilität oder Lustlosigkeit.
Verräterische Gesten Die eigene Körpersprache gut zu beherrschen und einzusetzen ist schon mal ein entscheidendes Erfolgsgeheimnis, um eine gute Vertrauensbasis herzustellen. Doch auch die Körpersprache unseres Gegenübers kann im Gespräch sehr aufschlussreich sein und Ihnen interessante Hinweise geben. Das sind häufige verräterische Gesten, an denen Sie erkennen können, dass Ihr Gegenüber nicht unbedingt die Wahrheit sagt:
• Augenzwinkern: Personen, die lügen, blinzeln häufiger als andere. Sie zeigen vielfach auch ein ungewöhnlich geringes Maß an direktem Augenkontakt.
• Übertriebene Gesichtsausdrücke: Schwindelnde Menschen lächeln öfter oder breiter als gewöhnlich.
• Weggucken, Nicht-In-Die-Augen-Sehen: Untersuchungen zeigen, dass die Fähigkeit, seinem Gegenüber ruhig und fest in die Augen zu schauen, keineswegs als Beleg für Ehrlichkeit angesehen werden kann. Erfahrene bzw. gekonnte Lügner haben es gelernt, dem Gegenüber besonders dann in die Augen zu schauen, wenn sie eine Lüge wirksam einsetzen wollen.
• Hand vor dem Mund: Die Hand, ein Finger oder die Faust bedeckt den Mund. Der Grund: Das Gehirn gibt uns unbewusst die Aufforderung, täuschende, unehrliche Worte zurückzuhalten.
• „Wegwerfende“ Gesten: „Das Angebot ist toll!“, doch Ihre Unterlagen werden beiseite geschoben. Wer verbal seine Zustimmung zu etwas äußert (einen Vorschlag annimmt oder ähnliches), gleichzeitig aber eine wegwerfende Geste macht, zeigt, dass er nicht wirklich einverstanden ist. Das kann sich darin äußern, dass ein Staubkorn von der Kleidung geschnipst, ein Stift weggelegt oder mit der Hand über den Mund gefahren wird.
• Paralinguistische Merkmale: Wenn Personen lügen, ändern sich häufig die paralinguistischen Merkmale der Sprache (Tonlage, Rhythmus der Sprache, Betonung) in auffälliger Form. Oft steigt die Tonhöhe an, der Sprachfluss wird langsamer und weniger flüssig.
• „Zappelphilipp“: Auch unruhige Körperbewegungen – Herumzappeln oder nervöses Herumspielen mit irgendwelchen Gegenständen – sind ein Zeichen dafür, dass jemand nicht so recht zu dem steht, was er sagt.
• Die „Notbremse“: Hebt jemand während eines Gesprächs die Fußspitze, als würde er ein imaginäres Bremspedal drücken, ist er mit dem, was Sie sagen, nicht unbedingt einverstanden.
Fazit Ein positiver erster Eindruck und eine souveräne, selbstbewusste Körperhaltung, die außerdem Sympathie und gute Laune ausstrahlt sind die beste Basis für Gesprächs- und Verhandlungssituationen.
Vergessen Sie also nie: Sie wirken immer! Die Frage ist nur WIE?
Monika Matschnig Expertin für Körpersprache, Wirkung und Performance; gehört zu den TOP 100 Excellent Speaker, das Focus Magazin zählt sie zu den Erfolgsmachern und 2007 und 2008 erhielt sie den begehrten Conga-Award. Mehr Infos unter www.matschnig.com
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